19.–25. Jänner 2007
Gender-Diskurs:
FP-Rosenkranz über Fehlentwicklungen in der Frauenpolitik
Seite 4—5
Georgien:
Der dornige Weg nach der „Rosenrevolution“
Seite 10–11
Braunes Kino:
Lachen über Hitler – Eine Komödie als Unterhaltstherapie
Seite 24
Titelseite der aktuellen Ausgabe [weiter]

Alles, was in Deutschland passiert, kommt auch nach Österreich, heißt es. Die Ähnlichkeiten zur bundesdeutschen Situation nach den Wahlen im September 2005 sind unübersehbar: Die zuvor zweitstärkste Partei schaffte um Haaresbreite den ersten Platz, durch die Konstellation der Bundestagsfraktionen war von vornherein nur eine Große Koalition möglich, und das Kanzleramt übernahm mit Angela Merkel jemand, von dem lange Zeit klar war, daß sie es nie schaffen würde. Nun hat auch Alfred Gusenbauer sein Ziel erreicht. Die Erfüllung seines Kindheitstraums hat sich der „Sandkastenkanzler" enorm viel kosten lassen. Die Schlüsselressorts Finanzen, Inneres und Äußeres überließ er der ÖVP, dafür übernahm er das undankbare Verteidigungsministerium, das obendrein demnächst zum „Eurofighterministerium" wird. Auch die Personalauswahl rief allgemeines Kopfschütteln hervor. Bei besagtem Eurofighterminister entschied man sich mit Norbert Darabos erstmals für einen Zivildiener, und zwar für einen Zivildiener, der sich noch vor einer Kommission einer Gewissensprüfung unterziehen mußte. „Der neue Herr Minister bringt es nicht fertig zu schießen, er läßt schießen", witzeln Offiziere. Bildungsminister ist eine gewisse Claudia Schmied aus einer Bank. Sie mußte sich spätabends binnen einer halben Stunde entscheiden. Einhellig als kabarettreif wurde die Nominierung von Heidrun Silhavy eingestuft. Sie bekleidet die überaus wichtige Funktion einer Staatssekretärin im Bundeskanzleramt. Ihre Qualifikation: Gewerkschaftsfunktionär Wolfgang Katzian gab Gusenbauer einen Korb. So kam es, daß Silhavy eingesetzt wurde – vor laufenden Fernsehkameras. Der steirische SP-Landeshauptmann zog gerade live über Gusenbauer her und weigerte sich, zu diesem ans Telephon zu kommen. Kurze Zeit später flüsterte SP-Landesrat Hirt Voves ins Ohr „Silhavy!", worauf sich dieser, immer noch live, versöhnlich zeigte. Überdeckt von diesen Skurrilitäten wurde der neue Sozialminister Erwin Buchinger. Dieser schläft bei einem Freund auf der Couch, weil er in Wien kein Quartier finden konnte. Da stellt sich die Frage: Hat er nicht den nötigen Intellekt, um für ein paar Tage ein Hotelzimmer zu buchen oder nicht ausreichend Geld? Sollte zweiteres zutreffen, drängen sich weitere Fragen auf: Bekommen Soziallandesräte in Salzburg so wenig bezahlt? Ist er ein Spieler? Hat er teure Hobbies? Komplettiert wird die rote Riege durch Frau Justizminister Maria Berger, die dem Kärntner Landeshauptmann durch ein Amtsenthebungsverfahren zu einer absoluten Mehrheit verhelfen will. Die einzige Milderung der SP-Katastrophe stellt die VP-Entscheidung dar, statt Volksliebling Karl-Heinz Grasser Willi Molterer in die allererste Reihe zu stellen. Molterer hat leider die Ausstrahlung eines Technokraten, von der auch sein Obdachlosenbart nicht ablenken kann ….