Die Entstehung von „Zur Zeit“

Zuerst war die Österreich-Ausgabe der »Jungen Freiheit«.

Nachdem der Publizist und langjährige Vorsitzende der Freiheitlichen Parteiakademie, Andreas Mölzer, aus der aktiven Politik ausgeschieden war, gründete er 1995 gemeinsam mit dem Chefredakteur der »Jungen Freiheit«, Dieter Stein, einen Österreich-Ableger dieses konservativen bundesdeutschen Wochenblattes. Zwei Jahre existierte die JF-Österreich mit durchschnittlich fünf mutierten Österreich-Seiten. Das Ziel war aber immer ein eigenes österreichisches Schwesterblatt.

Dann fand sich ein Medienarbeitskreis.

Im Laufe des Jahres 1997 konnte Andreas Mölzer den Privatradio-Pionier Walter Tributsch, den in Mediensachen überaus engagierten Rechtsanwalt Johannes Hübner, den Personalberater Joachim Kappel mit seinen exzellenten Kontakten zur Wirtschaft, mit den prominenten konservativen Verlegern Herbert Fleissner und Wolfgang Dvorak-Stocker und einigen anderen dazu bewegen, die W3-Verlagsges.m.b.H zu gründen, um eine eigene konservative Wochenzeitung für Österreich herauszugeben.

Im Oktober 1997 war es soweit: Die erste Ausgabe von »Zur Zeit« wurde in der Meierei im Wiener Stadtpark einem ausgewählten Publikum präsentiert.

Ein Interview mit dem damaligen Verteidigungsminister Werner Fasslabend von der ÖVP, ein Argumentebeitrag des damaligen Dritten Nationalratspräsidenten Wilhelm Brauneder, aber auch ein Gespräch mit dem damaligen KPÖ-Vorsitzenden Walter Baier, stellten die Glanzlichter dieser ersten Nummer dar.

Konservative Querdenker

Von Anfang an vermochte das Blatt konservative Querdenker von Format in seinen Spalten abzudrucken. Der Osteuropaexperte Carl Gustaf Ströhm, der ehemalige FAZ-Korrespondent Andreas Graf Razumovsky, der bedeutendste geopolitisch Analytiker des Landes, der im Verteidigungsministerium tätige Sektionschef Erich Reiter, der nationalliberale Historiker, Professor an der Universität Wien, Lothar Höbelt, sie fanden sich ebenso wie prominente Autoren aus dem hochkonservativen-katholischen Lager, wie etwa der Theologe Robert Prantner, der Publizist Kurt Dieman.

Am Diskurs teilhaben:

Von Anfang an war »Zur Zeit« darauf angelegt, die engen Grenzen des nationalliberalen Lagers oder konservativer Zirkel oder gar des geistigen Gettos zu sprengen. Interviewpartner aus allen politischen und gesellschaftlichen Lagern des Landes, von Bundespräsident Klestil bis zum späteren SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, vom starken Mann der ÖVP im Parlament Andreas Khol, bis zum langjährigen Oppositionsführer Jörg Haider stellten dies unter Beweis.

Die Blattlinie

Von Anfang an war es das erklärte Zeil der »Zur Zeit«-Macher, das Blatt für all jene zu öffnen, die im weitesten Sinne konservativ, katholisch, nationalliberal, eben eher rechtsintellektuell waren und sind. »Alles was klug und nicht links ist«, sollte in der ZZ Platz haben. Daß es dabei im Zuge des Aufbaus des Blattes auch immer wieder zu Spannungen und Widersprüchen kam, ist klar. Zwischen konservativen Katholiken und liberalen Freidenkern gab es da manchen Strauß auch innerhalb der Autoren der »Zur Zeit« auszufechten. Österreichische Patrioten, die im Widerstand gegen das NS-Regime waren, trafen da bisweilen auf Deutschnationale, die mit einer »österreichischen Nation« nichts anfangen können. Allen gemeinsam ist allerdings das konsequente Eintreten gegen die political correctness, gegen das Prinzip Heuchelei und gegen den linken Tugendterror, der mit der Faschismuskeule unabhängiges Denken und Publizieren verhindern möchte.