Europäische Gesinnung?

Slowenien soll endlich die deutschen Altösterreicher anerkennen – Von Andreas Mölzer

Seit fünf Jahren ist Slowenien bereits Mitglied der Europäischen Union. Aber dennoch kommen Zweifel an der europäischen Gesinnung unserer südlichen Nachbarn auf. Wegen der umstrittenen Grenzziehung in der Bucht von Piran etwa blockiert Laibach die Beitrittsverhandlungen der EU mit Kroatien. Und eine Aufgabe der sturen Haltung der Slowenen, um mit den Kroaten an einer vernünftigen Lösung des Grenzstreits zu arbeiten, ist nicht in Sicht. Dabei sei Slowenien daran erinnert, daß es bis heute nicht Mitglied der EU wäre, wenn Österreich, etwa wegen des schrottreifen Atomkraftwerks in Gurkfeld (Krsko), bei den slowenischen Beitrittsverhandlungen dieselbe Haltung an den Tag gelegt hätte wie heute Laibach gegenüber Agram.

Nachdem Brüssel kein Interesse zeigt, etwas zur Lösung des slowenisch-kroatischen Grenzstreits beizutragen, könnte Österreich als ehrlicher Makler zwischen den beiden Streitparteien vermitteln. Schließlich hat Österreich sowohl die Unabhängigkeitsbemühungen der Slowenen und Kroaten Anfang der 90er Jahre als auch die EU-Ambitionen Laibachs und Agrams wie kaum kein anderes Land in Europa unterstützt.

Zweifel an der europäischen Gesinnung Sloweniens kommen auch wegen des Umgangs Laibachs mit der Restminderheit der deutschen Altösterreicher auf. Dieser nur mehr einige Tausend Köpfe zählenden Volksgruppe, die durch Vertreibung und die Verbrechen der kommunistischen Tito-Partisanen am Ende des Zweiten Weltkrieges zu einer Restminderheit geworden war, werden weiterhin die elementarsten Minderheitenrechte verwehrt. Ja selbst die Anbringung deutscher Aufschriften im privaten Bereich ist verboten. Damit es höchste Zeit, daß Slowenien endlich seine europäische Gesinnung unter Beweis stellt und zeigt, daß es im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Die Anerkennung der deutschen Altösterreicher als Minderheit wäre jedenfalls ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Und hier könnten Österreich im allgemeinen und Kärnten im besonderen als Vorbild dienen. Denn die Kärntner Slowenen zählen – wie nicht zuletzt im Jahr 2000 die drei sogenannten „EU-Weisen“ festgestellt haben – zu den am besten geschützten Minderheiten in Europa. Und auch wäre es an der Zeit, wenn in Slowenien die alten deutschen Ortsnamen wieder Gebrauch fänden. Bekanntlich hatten Städte wie Laibach, Marburg, Cilli und Pettau noch vor hundert Jahren eine deutsche Bevölkerungsmehrheit.