20. November–3. Dezember 2009
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FPÖ fordert 12 Punkte für Wissenschaft
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Audimaxbesetzung und PISA-Studien – was läuft alles falsch in der Bildungspolitik?
Walter Rosenkranz: Im Bereich der Schulen wird zwar von allen Seiten, also Eltern, Ministerium und Lehrern, das Problem erkannt, daß etwas verbessert werden muß, aber die Frau Minister schafft es nicht, mit den handelnden Personen konstruktiv zu arbeiten. Es ist beispiellos, daß eine Ministerin auf die ihr zugewiesenen Personen – sprich die Lehrer – derartig hinhaut. Es ist so, als würde z.B. ein Finanzminister auf seine Finanzbeamten, ein Innenminister auf seine Polizisten oder Justizminister auf Richter und Staatsanwälte so losgehen, wie es die Unterrichtsministerin tut.
Dann ist das Problem also ein personelles?
Rosenkranz: Ich glaube, es ist ein Problem der Institutionen. Hier ist seit 1962 absolut nichts passiert außer der Parteibuchwirtschaft.
Was sollte unternommen werden, um das Problem zu lösen?
Rosenkranz: Die Ministerin muß einmal einen Plan aufstellen, weil derzeit der Eindruck erweckt wird, daß alles ein Flickwerk ist. Man erkennt das Problem und macht mehrere Baustellen gleichzeitig auf, so daß man sagt, das System lassen wir jetzt einmal laufen, aber wir wollen 2015 oder 2020 eine Schulreform tatsächlich auf den Beinen haben. Aber die Beschlüsse muß man schon jetzt fassen – sowohl beim neuen Lehrerdienstrecht, als auch bei der Ganztagsbetreuung oder einer Bauoffensive für Schulen.
Gerade von seiten der SPÖ wird die gemeinsame Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen angestrebt. Was halten Sie davon?
Rosenkranz: Die FPÖ steht derzeit als einzige Partei dazu, daß dieses differenzierte System einer Mittelschule, also einer AHS-Form und der Hauptschule, bestehen bleibt. Es ist die Durchlässigkeit zwischen den Schultypen bis zur Matura auch jetzt absolut gewährleistet, es gibt die verschiedensten Oberstufenformen, und daher ist eine Änderung nicht notwendig. Und das Argument, das intelligentere Kind kann dem schwächeren Kind in der Klasse helfen ist absolut falsch, wie folgendes plakative Beispiel veranschaulicht: Wenn man einen Ackergaul und ein Rennpferd vor eine Kutsche spannt, dann kann man sich leicht ausrechnen, ob der Ackergaul schneller oder das Rennpferd langsamer wird.
Unternehmen beklagen immer wieder das mangelnde Ausbildungsniveau von Lehrlingen, und die Universitäten das immer schlechter werdende Niveau der Maturanten. Woran liegt das?
Rosenkranz: Es kommt auf den jeweiligen Schultyp an, aber es ist in den Ballungszentren ein offenes Geheimnis, daß der hohe Anteil an Zuwandererkindern das Niveau drückt, ja drücken muß. Und es ist genau dieselbe Situation, wie ich es zuerst mit den beiden Pferden geschildert habe, wenn man Kinder in das Regelschulwesen eingliedert, die keine Sprachkenntnisse haben, weil diese dann zwangsläufig den Stoff bremsen. Die Lösungsantwort muß daher sein, Kinder, die nicht entsprechend Deutsch können, müssen in reine „Aufbauklassen“ gehen, unter Umständen sogar Vorschulklassen. Aber derzeit steht das Erlernen von Kulturtechniken wie Lesen, Scheiben und Rechnen zu wenig im Vordergrund, weil zuviel Zeit mit sogenannten Projekttagen, also den Tag des Wassers oder den Tag des Baumes vertan wird.
Immer wieder wird vorgeschlagen, die Noten abzuschaffen. Welchen Wert hat Leistung heute noch?
Rosenkranz: Der Ruf, alle sollen alles können und dürfen ist für das Leistungsdenken schlecht. Wenn man in der Volksschule, in der Mittelschule oder in der Oberstufe die Noten abschafft, dann kommt die Stunde der Wahrheit spätestens im Arbeitsprozeß. Und je früher auch Kinder – nicht mit aller Härte, aber immerhin doch mit dem entsprechenden Nachdruck – auf eine leistungsorientierte Gesellschaft hingetrimmt werden, um so eher sind sie später von einem Scheitern nicht betroffen.
„Alles können und dürfen“ scheint auch der Grundsatz der Besetzer des Audimax zu sein. Wird mit derlei Forderungen nicht den Universitäten der Todesstoß versetzt?
Rosenkranz: Ein Todesstoß wird nicht versetzt. Auf jeden Fall war das Universitätsgesetz 2002, das unter Federführung unseres Wissenschaftssprechers Martin Graf entstanden ist, der Weg in die richtige Richtung. Aber mit der Novelle 2009 ist die Koalition bereits wieder zurückgerudert, und es sind Sachen passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Wir sind natürlich für den freien Hochschulzugand, sobald jemand die Matura hat. Wir Freiheitliche können uns nur vorstellen, daß eine Universität von sich aus wünscht, daß sie Studenten mit einem bestimmten Maturazeugnis hat, daß etwa nur diejenigen ein Medizinstudium beginnen können, wenn sie auch in den Gegenständen Biologie oder Physik maturiert haben, weil man dann einen gewissen Zugang zum naturwissenschaftlichen Bereich sieht.
War eigentlich die Abschaffung der Studiengebühren ein Fehler?
Rosenkranz: Die Abschaffung der Studiengebühren war sicherlich kein Fehler, und auch die Zahlen, die bestätigen sollen, daß jetzt der große Ansturm auf die Universitäten eingetreten ist, sind irreführend. Vielmehr sind die höheren Studentenzahlen eine demographische Erscheinung, weil jetzt geburtenstarke Jahrgänge an der Reihe sind. Aber in den nächsten Jahren werden wieder geburtenschwache Jahrgänge kommen, auch bei den Medizinern wird ein Rückgang an Inskripienten stattfinden, und in ein paar Jahren könnte es eine Ärztenot geben.
Es heißt immer wieder, bundesdeutsche Studenten wären an der Misere der Universitäten schuld. Was halten Sie von diesem Vorwurf?
Rosenkranz: Das ist eine neue Form der Ausländerfeindlichkeit, die vor allem die Grünen und die Sozialisten ins Spiel bringen. Man muß sich nur die Zahlen anschauen: Ein Drittel der ausländischen Studenten kommt aus der Bundesrepublik, aber über die restlichen zwei Drittel spricht keiner, weil die meisten von ihnen durch Kooperation mit ihren Heimatländern, auch im Rahmen der Entwicklungshilfe, weitgehend kostenfrei studieren. Die Maßnahmen, die gefordert werden, daß bundesdeutsche Studenten zahlen sollen, dienen letztlich nur dazu, daß im Gegenzug österreichische Studenten – 6.000 bis 8.000 studieren in der Bundesrepublik – eine schlechtere Position haben. In irgendeiner Form wirtschaftlich gegenzurechnen bringt genausowenig wie Studiengebühren. Wenn man sagt, wir führen jetzt Studiengebühren ein, schaffen aber besondere Stipendien für sozial Schwache, dann muß das alles verwaltet werden und diese Verwaltung kostet Geld.
Welchen Einfluß hat eigentlich der sogenannte Bologna-Prozeß mit der Einführung des dreigliedrigen Studiums – Bakkalaureat, Magisterium, Doktorat? Wurden hier nicht gewachsene Strukturen zerstört?
Rosenkranz: Die Bologna-Architektur ist mit der Tradition des österreichischen Studiums nicht wirklich konvertibel, und da wird es gewaltige Fehlentwicklungen geben, bis hin zur Frage, daß unter Umständen ein österreichischer HTL-Ingenieur von seiner Ausbildung her zwar bessere Fähigkeiten hat als etwa ein Absolvent eines Fachhochschulstudiums in England, aber der österreichische HTL-Ingenieur europaweit nicht anerkannt wird. Diese Sache in der EU anzusprechen und anders zu lösen, wurde seitens Österreichs versäumt und ist ein Versagen der österreichischen Bildungspolitik in Brüssel.
Das Gespräch führte Bernhard Tomaschitz.
NAbg. Dr. Walter Rosenkranz ist Bildungssprecher der FPÖ