Roter Faden, Nr. 47–48/2009

In Brandenburg, wo ehemalige Mitarbeiter des MfS dank der Machtversessenheit der SPD wieder in Amt und Würden gelangten, gibt es nun einen weiteren Stasiskandal. War bei der Koalitionsverhandlung zwischen SPD und die Linke die Stasi-Vergangenheit von Fraktionschefin Kerstin Kaiser, „IM Kathrin“, dem Landesvorsitzenden Thomas Nord, „IM Mark Schindlersowie den Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Scharfenberg, „IM Hans-Jürgen“ und Axel Hentschke, „IM Ingolf Köhler“ bekannt, darf sich nun ein weiterer Politiker der Linkspartei in diese illustre Runde einreihen. Landtagsabgeordneter Gerd-Rüdiger Hoffmann, „IM Schwalbe“ mit der Registriernummer VI/402/70, hatte zu Zeiten des real existierenden Sozialismus’ munter und fröhlich drauflosgespitzelt. Zuerst seine Mitschüler und Bekannten, während seines Wehrdienstes bei den Grenztruppen in Berlin dann seiner Kameraden. Sein Führungsoffizier lobte die „ausgezeichnete Arbeit“. Angesichts dieser Tatsachen muß man sich wirklich langsam die Frage stellen, ob es in der Potsdamer Linksfraktion überhaupt jemanden gibt, der nicht zu Erich Mielkes „Alter Garde“ gehört. An einen Rücktritt denken die sauberen Herrschaften natürlich nicht, wozu auch, sind sie doch in der Gesellschaft „angekommen“. Selbst in Österreich dürfen die ehemaligen Genossen „ihr“ Bild der Geschichte darlegen, und werden dazu von hiesigen Genossen mit offenen Armen empfangen. Zwar spielt die KPÖ in der Tagespolitik der Alpenrepublik keine große Rolle, aber die Zäsur von 1989 ging auch an ihr nicht vorüber. Und so freute sich die „Kominform“ in Ottakring, die übrigens auch in der Wiener Arbeiterkammer vertreten ist, zu einem Vortrag mit dem Titel „Aufklärer der DDR“ nach Ottakring zu laden. Dabei ging es darum, „die Arbeit der KundschafterInnen der DDR einzuschätzen, den Verleumdungen des deutschsprachigen ‚Blätterwaldesmit Fakten und Tatsachen entgegenzutreten, und die Notwendigkeit eines sozialistischen Nachrichtendienstes klarzustellen. Ehemalige MitarbeiterInnen des MfS und NVA sehen sich noch heute, nach jahrelangen Freiheitsstrafen, teils in Einzelhaft, die jedem internationalen Recht hohnsprechen, gesellschaftlicher Diskriminierung bis hin zu faktischen Berufsverboten ausgesetzt.“ Zu Gast waren übrigens neben ehemaligen Offizieren des MfS auch Dr. Gabriele Gast, Sowjetunion-Referat des BND (Bundesnachrichtendienst), Regierungsdirektorin BND/BRD, die seit 1968 für MfS tätig war, Deckname Leinfelder. 1990 wurde sie enttarnt und zu 6 Jahren und 9 Monaten Haft sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Vier Jahre mußte Frau „Dr.“ auch absitzen, davon „unmenschliche“ 15 Monate in Einzelhaft, danach winkte die Freiheit und die Arbeit in einem Münchener Ingenieurbüro. 1998 endete die Bewährungszeit und der Rest der Strafe wurde erlassen. Geradezu unmenschlich, aber als entarnter Doppelspion in ihrer geliebten „DDR“ hätte sie sicherlich mehr als nur die „bürgerlichen Ehrenrechte“ verloren