5.–11. März 2010
Österreich:
Parlamentsumbau, aber wann?
Seite 4
Ausland:
Die Falkland-Inseln, das Tor zur Arktis
Seite 9
Analyse:
Südafrika im Niedergang
Seite 12
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Es scheint ganz so, als würde 2010 zum Jahr des „Streiks“ werden. Vergangene Woche streikten die Piloten der Lufthansa, in Griechenland legt der Generalstreik gegen die Sparmaßnahmen der Regierung Fluhäfen lahm, der Bahn- und der Fährverkehr standen still, und Schulen und Behörden blieben weitgehend geschloßen. Auch dem weltweit viertgrößten Goldminenbetreiber Gold Fields drohen die Arbeiter in Südafrika, ab 7. März die Arbeit niederzulegen.
Aber damit noch nicht genug, haben auch noch in Italien, Frankreich, Spanien (und auch Griechenland) zusätzlich zu den schon stattfindenden Arbeitskämpfen auch Migranten ihre Arbeit für mindestens 24 Stunden niedergelegt. Unter dem Motto „Ein Tag ohne uns“, (viele Einheimische haben sicherlich schon längere Zeit davon geträumt und hätten wohl nichts dagegen, wenn aus einem Tag Jahre würden) demonstrieren Ausländer gegen Ausgrenzung, Stigmatisierung und Vorurteile von Seiten der Regierungen, und um die Bedeutung der Migranten für das wirtschaftliche und soziale System hervorzuheben. Da aber ein bloßes Niederlegen der „Arbeit“ noch nicht genügt, wahrscheinlich würde das öffentliche Leben nicht so schnell zusammenbrechen, wurde der Streik auch gleich noch in einen Konsumstreik ausgeweitet.
„Demonstriert haben wir schon so oft. Jetzt geht es darum, konkret die Leere zu zeigen, die wir hinterlassen würden, wenn wir nicht mehr da wären“, sagt die gebürtige Algerierin Amel in Paris. Und diese Leere heißt weder arbeiten noch konsumieren, weder Kinos besuchen noch Zeitungen kaufen. Die Totalverweigerung soll die wirtschaftliche Macht der illegalen Einwanderer verdeutlichen.
Unterstützt wird der „Arbeitskampf“, wie sollte es anders sein, von diversen linken Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen, Kirchen und Migrantenvereinen. In Italien schlossen sich allerdings auch Oppositionsparteien den Protesten, die in über 60 italienischen Städten stattfanden an. Bei einer Demonstration in Mailand, der sich circa 700 Personen anschlossen, schwenkten die Migranten gelbe Fahnen und riefen Slogans gegen die Regierung von Silvio Berlusconi und seine Einwanderungspolitik, die sie als ausländerfeindlich kritisierten. Zudem wurde auf dem Domplatz in Mailand symbolischer Unterricht der chinesischen, arabischen und senegalesischen Sprache für Italiener abgehalten. „Die Migranten wollen zeigen, daß sie auch in diesem Land leben und für Italien absolut wichtig sind. Ich hoffe, daß die Gemeinschaft begreifen wird, daß es keine glaubwürdigen Alternativen zur Integration gibt“, äußerte sich ein Gewerkschaftssprecher.
Wer diese Leere aber wirklich spürt, darüber ist leider noch nichts bekannt. Am wahrscheinlichsten bemerken es noch die Angestellten der italienischen und französischen AMS- und Sozialämter. Hier dürfte sich die Totalverweigerung in deutlich kürzen Schlangen bemerkbar machen.