„Vorrang für Franzosen“

Jean-Marie Le Pen über das Wiedererstarken des Front National und über Chancen für die Rechte

Herr Le Pen, bei den Regionalwahlen in Frankreich hat der Front National ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Hat der Front National seine Krise überwunden?

Jean-Marie Le Pen: Nach der Wahl Sarkozys im Jahr 2007 waren unsere Wähler entmutigt und wir mußten sehr enttäuschende Resultate bei den legislativen Wahlen hinnehmen. Aber schon im vergangenen Jahr haben wir einen Neustart hingelegt, indem wir gemeinsam drei Abgeordnete ins Europäische Parlament gebracht haben. Bei den Regionalwahlen haben die Franzosen dann über die bislang nicht konkretisierten Versprechen Sarkozys und seiner Regierung hinsichtlich mehr Sicherheit und Wachstum und weniger Immigration entschieden. Jene Wähler, die sich einst von den Ankündigungen des Illusionisten Sarkozy blenden ließen, sind nun in Scharen wieder zu uns zurückgekehrt. Dieser Aufbruch bestätigt das eindeutige Wieder-Erstarken unserer Politik.

Kann in Zeiten der Wirtschaftskrise die Rechte bessere Lösungen anbieten als die Linke?

Le Pen: Nein. Es ist nicht im Sinne der französischen Rechten, alle Ideologien mit den Linken zu teilen, die das Grundübel der Europäer darstellen: Anarcho-Liberalismus, Globalisierung, europäischer Zentralismus, Finanzspekulation, Massenimmigration … Daraus ergibt sich, daß die einzig glaubwürdige Alternative zur eintönigen Politik der Rechten wie der Linken das ist, was wir vorschlagen: Vorrang für unsere Landsleute hinsichtlich Arbeit, Versicherungsleistungen, Familienzuschüssen, Sozialwohnungen, ein Ende der Immigration, die unserem Land jährlich 70 Millionen Euro kostet, der Schutz unserer Grenzen und ein Ende des grenzenlosen freien Warenverkehrs, der unsere Unternehmen durch den tödlichen Wettbewerb mit jenen aus der dritten Welt ruiniert, da dort bei weitem weder dasselbe Gehalts- und Versicherungsniveau vorherrscht, noch die nötigen Umwelt- und Sicherheitsstandards eingehalten werden.

In Österreich war die FPÖ bei den letzten Wahlen sehr erfolgreich und bei der ungarischen Parlamentswahl im April hat Jobbik ausgezeichnete Chancen. Befindet sich die Rechte europaweit im Aufbruch?

Le Pen: Es scheint wahrlich so zu sein, daß die europäischen Völker erkennen, daß die Konsumideologie ihnen nicht den erhofften Wohlstand bringt, sondern im Gegenteil vielmehr für Krisen und Hoffnungslosigkeit sorgt. Die von uns vorgeschlagenen Lösungen des nationalen Protektionismus’ sind der einzige Weg, damit die Menschen wieder in den Genuß des Reichtums des eigenen Landes gelangen sowie die Früchte ihrer Arbeit ernten.

Wird es der Rechten gelingen können, in den kommenden Jahren die politische Richtung vorgeben zu können?

Le Pen: Es wird vor allem davon abhängen, wie man „rechte“ Themen positioniert. Wenn man das Bild der Rechten als das der Geschäftsleute, der Globalisierung und des Ultraliberalismus zeichnet, wird es nichts.

Wenn man die Rechte mit nationalen, volksnahen und sozialen Aspekten besetzt, wird sich sicher etwas Richtungsweisendes entwickeln, da man ja bei allen anderen künstlichen Ideologien die jeweiligen Grenzen bald erkennen konnte. Sozialismus ebenso wie Liberalismus konnten nicht bestehen und haben nur für Krisen und Ungerechtigkeiten gesorgt. Verständlicherweise wenden sich die europäischen Völker nun unseren Lösungen zu, die legitim und im Interesse des Volkes sind.

 
Das Gespräch führte Bernhard Tomaschitz.

Bild: FN

Jean Mafrie Le Pen
, Front National